Aus der Chronik
des Weinortes Eisental

von Pressewart Ludwig Bauer


Vor rund 900 Jahren fanden die heutigen Ortsteile der Stadt Bühl, nämlich Eisental als "Einsiedlertal", Affental als "Avetal" und Müllenbach als "Milenbach" erste urkundliche Erwähnung. Die zum Stadtteil Eisental im wahrsten Sinne des Wortes "zusammengewachsenen" drei Ortsteile waren bis zur Eingemeindung nach Bühl im Jahre 1972 eine selbständige Ge-meinde mit 150jähriger Tradition. Alle drei "Dörfchen" liegen am Fuße des 522 m hohen Schartenbergs, der die Vorberge des Schwarzwald es beherrscht. Von diesem Hausberg der Eisentäler wird berichtet, daß er in grauer Vorzeit ein gern besuchter Treffpunkt der Hexen war. Das Hexenbrünnele am Südhang des Berges erinnert heute noch an diese Zeit.

   

Von besonderer Bedeutung ist, daß "Milenbach" (Müllenbach) als erste Siedlung schon um 1070 n. Chr. urkundlich erwähnt wurde, das "Einsiedler-tal" (Eisental) 1245 n. Chr. und "Avetal" (Affental) im Jahre 1320 n. Chr., im Zusammenhang mit dem Anbau der Burgunderrebe. Vermutlich war jedoch dieses siedlungsfreudige Gebiet schon zur Römerzeit bewohnt. Den Römern folgten um 400 n. Chr. die Alemannen und um das Jahr 500 n. Chr. eroberte der Frankenkönig Clodwig das Land und teilte es zur besseren Verwaltung in sogenannte "Gaue" auf. An-fang des 16. Jahrhunderts kamen die Markgrafen von Baden in den Besitz der Grafschaft. Auch die Grafen von Nassau-Saarbrücken waren teilweise an der Herrschaft beteiligt. In den folgenden Jahrhunderten wechselten sich dann als Herren der Grafschaft O-tenau mehrmals die Grafen von Baden mit den Markgrafen von Baden-Durlach ab. Später hatten die Großherzöge von Baden die Herrschaft inne, die mit dem Krieg 1914/18 auch die "Monarchie" des "Musterländles" Baden begraben mußten. Es folgte bis 1933 der Staat Baden, dann bis 1945 der Gau Baden, nochmals der badische Staat und ab 1952 das neue Bundesland Baden- Württemberg.

Wer bislang der Meinung war, der Ortsteil Eisental sei schon immer der Hauptort der drei "Dörfle" gewesen, hat sich geirrt. Bis hinein ins 19. Jahrhundert war der Ortsteil Müllenbach kommunalpolitisch führend, denn Rathaus und Schule waren bei der Kapelle in Müllenbach zu finden. Zwischen 1810 und 1820 erwägte man sogar in Müllenbach die Hauptkirche zu erstellen. Pläne waren schon für ein Grundstück gegenüber der Kapelle vorhanden und Ausgrabungsarbeiten hatten stattgefunden. Doch dann besann man sich zum Kirchenneubau im Bereich des größeren Ortsteils Eisental, die Grundsteinlegung erfolgte dann im Jahre 1828. Kirchlich waren die Dörfle (also Eisental, Affental und Müllenbach) ins Kirchspiel Steinbach "eingepfarrt" und gehörten zur dortigen Rektoratspfarrei. Noch vor dem Bau der Pfarrkirche wurde mit Datum vom 11. Januar 1823 die selbständige Pfarrei Eisental mit einem "Erlaß des Großherzoglichen Ministeriums des Inneren der Katholischen Kirchensektion" gegründet.

Anfang des 19. Jahrhunderts wurden dann auch die politische Gemeindeverwaltung und Schule in den Hauptort Eisental übersiedelt. Das Rathaus wurde neben der Kirche erstellt, wo übrigens auch die Schüler unterrichtet wurden. Erst im Jahre 1878 entstand das heute noch repräsentativ gut aussehende Schulhaus, das dann die Volksschule beherbergte und heute als Grundschule ihren Dienst versieht (Schartenberg-Schule). Im Jahre 1956 wurde das baufällig gewordene alte Rathaus abgerissen und an dessen Stelle ein neues Rathaus errichtet, in dem heute die Ortsverwaltung untergebracht ist. Neben dem Rathaus war früher das "Wachthaus" (Ortsarrest) und später eine Mietwohnung mit Scheune (Feuerwehr-Gerätehaus). Nach dem Verkauf des Grundstücks erstellte die Spar- und Kreditbank einen ansehlichen Neubau.

Die Leistungen der ehemaligen Gemeinde Eisental nach dem Zweiten Weltkrieg können sich sehen lassen. Neben dem Rathaus-Neubau wurde im Jahre 1960 der Neubau einer Turn- und Festhalle realisiert, die nach dem Um- und Ausbau im Jahre 1981 auch eine Bühne, Foyer, Küchenanbau und zwei Vereinsräume aufweist. Die von der Besatzungsmacht gerodeten Wälder wurden neu angepflanzt und ein gutes Waldwegenetz im Laufe der Jahre angelegt und aus-gebaut. Ortsstraßen erhielten allesamt feste Decken, das Wasserleitungsnetz wurde erneuert und die Kanalisation nahezu vollendet. Mit dem Neubaugebiet " Unterer Zielenweg" wird die letzte Lücke zwischen den drei Teilorten geschlossen. Die bereits im Jahre 1976 völlig abgeschlossene Rebflurbereinigung rings um den Weinort brachte nicht nur den Winzern Vorteile, sondern ist mit seinem ca. 30 km langen befestigten Wegenetz auch günstig für Erholungssuchende, die alljährlich im Bühler Rebland ihre Ferien verbringen.

Die Bevölkerung des Weinortes, die sich in früheren Zeiten hauptsächlich vom kargen Erlös der einheimischen Landwirtschaft (Obst und Wein) ernährte, bewirtschaftet heute diesen Zweig meist als Nebenerwerb. Der Großteil der Bevölkerung ist in der Industrie, im Handwerk oder in Dienstleistungsbetrieben beschäftigt.

Das erste Pflanzgut, aus dem französischen Burgund kommend, brachte gerade für unseren Raum die "Geburt" des Weinbaus. Im Jahre 1245 n. Chr. hatten die Markgrafen Hermann VI. und Rudolf I. von Baden dem Kloster Lichtenthai verschiedene Rebhöfe in Affental vermacht. Demnach muß um diese Zeit auch die Rebe von Mönchen des Zisterzienserklosters aus dem Burgunderland überbracht worden sein. In einer weiteren Darstellung heißt es im Jahre 1330, der "Affentaler Rote" sei "gleichbekömmlich für Kranke, Gesunde und Genesende". Zwei frühere "Zehntkeller" kann man heute noch im Ortsteil Affental bewundern, an einem dieser Häuser ist in Stein das Original Lichtenthaler Kloster- Hauswappen eingelassen. Die 1908 gegründete Winzergenossenschaft Affental (heute Affentaler Winzergenossenschaft Bühl EG), zählt zu den größten Winzergenossenschaften Badens. Die guten Bodenverhältnisse und das milde Klima sind im Bühler Bereich die besten Voraussetzungen für den Rebenanbau. Auch die Bühler Frühzwetschge sowie Pfirsiche, Beeren usw. gedeihen hier hervorragend.

Eisental, im Jahre 1979 mit dem Titel "Erholort" ausgezeichnet, erfuhr durch den Fremderverkehr einen guten Aufschwung. Eine jahrzehntelange Enticklung hat sich gelohnt. Für Ausflügler und Erholungssuchende ist der Weinort zu einem beliebten Reiseziel geworden. Der Rebort, eingerahmt von Obstbäumen, Reben und dem nahen Wald, bietet nicht nur eine gesunde Natur, sondern auch markande Aussichtspunkte. Mehrere Hütten, darunter eine mit Grillplatz, Sitzgruppen und Ruhebänke in Rehebänke in Reben und Wald, ein Kneipp- Tretbecken und schöne Bergbrunnen erfreuen den Besucher. Wer die Umgebu kennenlernen will, ist in wenigen Autominuten auf der Schwarzwaldhochstraße, am Rhein oder an den nahe gelegenen Seen und Schwimmbädern in und kürzer Zeit das Weltbad Baden-Baden.